Geschichte
In über 150 Jahren hat sich viel getan: eine streng religiös geführte «Rettungsanstalt» für sogenannte arme und sittlich verwahrloste Kinder hat sich zu einer modernen sozialpädagogischen Institution entwickelt. Die Schulleitung und die Stiftung dahinter haben sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinandergesetzt, mit der erzieherischen Praxis und den ideellen und theoretischen Grundlagen, und sie haben den Fokus auf die Kinder und Jugendlichen gelegt und ihnen Gehör geschenkt.
Die ersten Jahre
Selbstversorgung auf dem Lande
1867 öffnete die Meyersche Rettungsanstalt in Effingen ihre Türen. Die Gründer fanden im ehemaligen Gehöft der Familie Feer-Herzog einen Ort, der dem damals vorherrschenden Erziehungskonzept entsprach: ländliche Prägung und zivilisatorische Abgeschiedenheit. Ausserdem konnte sich die Anstalt durch den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb weitestgehend selbst versorgen.
Anfangs waren sowohl Knaben als auch Mädchen in der Rettungsanstalt willkommen. Dies gab die frühere Heimleitung aber aufgrund von «Unzucht» und «sittlicher Gefährdung» bald auf. Anfangs waren 11 Kinder in der Anstalt, 1890 dann bereits 30 Knaben.
Im Wandel der Zeit
Der bewegte Weg seit der Gründung 1867
Zutritt nur für Reformierte
Mit der Kirche eng verbunden
«Sittlich verwahrloste oder der Verwahrlosung ausgesetzte Kinder durch wahrhaft christliche Erziehung zu retten und zu bessern», das war das Ziel in den Statuten von 1866. Noch lange Zeit war die Stiftung eng mit der Kirche verwurzelt. Eine Vorgabe zum Eintritt für «Zöglinge» (der damalige Begriff für junge Menschen im Heim) war u.a., dass sie reformiert sein mussten. Im Stiftungsrat war in der Anfangszeit auch immer ein Pfarrer von Brugg oder Bözen vertreten.
Vieles über die Geschichte, die Entwicklung, Details und Begebenheiten in den über 150 Jahren Schulheim Effingen ist nachzulesen im Buch von Thomas Brodbeck: Von «christlicher Zucht» zu moderner sozialpädagogischer Erziehung. Die Geschichte des Schulheims Effingen 1867–2021 (Herausgeber Schulheim Effingen, Brugg 2021).

Die Entwicklung
Schritt für Schritt in die Moderne
Die sozio-kulturellen Entwicklungen machten natürlich auch vor dem Schulheim nicht halt, und das ist auch gut so. Dem allgemeinen Wohlstandswachstum war es zu verdanken, dass wir unsere Standards erhöhen konnten. Anstatt Massen-Schlafsälen gibt es nun Einzelzimmer, anstatt Kühe zu hüten liegt das Haupt-Augenmerk auf wahrer Erziehung und schulischer Bildung, und unqualifiziertes Personal der Anfangsjahre wurde ersetzt durch qualifizierte Fachpersonen und Sonderpädagogen.
Die Öffentlichkeit schaut genau hin, und wir legen grossen Wert auf die Erfüllung wichtiger Qualitätskriterien. Deshalb sind wir heute eine vom Kanton Aargau und dem Bundesamt für Justiz anerkannte Einrichtung mit Leistungsauftrag. Wir haben uns dem verantwortungsvollen Umgang und der Begleitung junger Menschen verschrieben.